Zeitungsrückblick am Abend

Leser der WELT wissen bekanntlich mehr. In der heutigen Ausgabe las ich einen guten Kommentar auf die Reaktionen der islamischen Welt auf den inzwischen berüchtigten Vortrag des Papstes:

Der Anlass wurde dankbar angenommen. Erste Brandsätze flogen auf Kirchen. Die bekannten Einschüchterungsrituale folgten. Erzürnte, von ihrer eigenen Empfindlichkeit überwältigte Muslime verlangen vom Papst, er solle sich entschuldigen dafür, dass er in einem Vortrag ein Zitat verwendete, das eine historisch verbriefte Tatsache beglaubigt

Auch der Artikel von Konrad Adam zum gleichen Thema ist lesenswert:

Gleich nebenan ist die geistliche Hinterlassenschaft [Mohammeds] zu betrachten. Sie besteht nicht aus Kreuzen oder Tragaltären, Weihwasserkesseln oder Messgewändern, sondern aus drei großen, breiten, schwarzen Schwertern: den Waffen, mit denen Mohammed selbst und seine Nachfolger für ihren Glauben gefochten hatten.

Zum Schluß ist der Artikel über die unsägliche Eva Herman sehr schön zu lesen:

Dass Eva Herman nach vier Ehen und einem Kind gewisse Probleme hat, lässt sich verstehen. Ebenso, dass sie lieber nur eine Ehe und dafür fünf Kinder hätte. Was jedoch folgt daraus? Dass sie, obgleich soziologisch nicht satisfaktionsfähig, ein Buch über die Rolle der Frau schreiben muss?

Comments

  1. Petra wrote:

    Adam irrt sich in einem Punkt: die Trennung von Kirche und Staat ist etwas inhärent Christliches, nicht “in jahrhundertelangen Kämpfen” erstritten. Dass die geistliche und weltliche Macht zwar eng miteinander verflochten waren, aber verschiedene Einflussbereiche hatten, war schon zu Anbeginn an klar. Und es waren keineswegs die Weltlichen (etwa die Aufklärer, der populären Legende gemäß), die Versuche, diese Trennung aufzuheben oder aufzuweichen, bekämpften, sondern die Kirche, insbesondere das Papsttum (Stichwort Investiturstreit u. dgl.).

    Anders im Osten oder später im Protestantismus: Der byzantinische Kaiser ernannte den Patriarchen von Konstantinopel selbst – die protestantischen Landesfürsten fungierten in deutschen Landen als “Bischöfe” der neuen evangelischen Landeskirchen.

    Die Geschichte der Kirche zeigt auch, dass sie immer dann unterzugehen droht, wenn sie sich zu sehr mit der weltlichen Macht einlässt, und diese dann fällt (Stichwort Französische Revolution). Sie ist immer dann stark (auch wenn nicht im weltlichen Sinn), wenn sie unabhängig von der staatlichen Macht oder ihr sogar entgegengesetzt ist. Kein Wunder, dass das 19. Jahrhundert mit seinen Revolutionen und Kulturkämpfen eine neue spirituelle Blüte und zahllose Heilige hervorgebracht hat. Wenn man es mit dem aus kirchlicher Sicht zahnlosen und deprimierenden 18. Jahrhundert vergleicht, ist der Unterschied augenfällig….

  2. str wrote:

    Vielleicht sollte man hier zwischen Trennung und Scheidung unterscheiden.

    Die (Unter-)Scheidung von geistlicher und weltlicher Gewalt, wie es korrekter heißen müßte (denn Kirche sind ja nicht nur die Bischöfe), ist eine Erfindung des Christentums. Weder das Judentum, noch die heidnischen Religionen kannten es, da politische und religiöse Gemeinschaft eins waren.

    Die Trennung dieser beiden Gewalten setzt erst erstmal die Scheidung voraus.

    Sind die Gewalten geschieden, ergibt sich die Frage, diese dann auf einanderhin geordnet oder getrennt sein.

    Die Katholische Antwort (im Mittelalter und weit darüber hinaus) war die Zuordnung bei Wahrung der Freiheit der Kirche (was meist betont wurde, daher auch der Investiturstreit) und des Staates (was vor allem im 20. Jahrhundert wiederentdeckt wurde – aber ehrlich gesagt auch eher selten in Gefahr war)

    Diese Betonung der gegenseitigen Freiheit ist es, was genuin katholisch ist, im Gegensatz zur Ostkirche. Siehe die Zwei-SChwerter-Lehre des Hl. Papstes Gelasius.

    Die “byzantinische” Ostkirche hat die Zuordnung betont, was effektiv zur Suprematie des Immperators führte. Theoretisch war diese ja nicht gegeben, sondern nur praktisch.

    Der Protestantismus kehrt dann weigehend zur “vor-christlichen Einheit” (vor allem bei Lutheranern und Calvinisten) zurück, egal ob das monarchisch (Lutheraner) oder republikanisch (Calvinisten) organisiert war. Die Anglikaner dagegen würde ich eher als “byzantisch” klassifizieren. Aber auch im Katholischen Bereich gab es so was, z.B. im Gallikanismus (der war es ja, der 1789 fiel) oder Josephinismus.

    Und letztlich sind dann auch die Vertreter des Laizismus, auch wenn sie die “Trennung” führen, Vertreter des “byzantinischen” Modells, siehe Frankreich 1789 und 1905, siehe die Türkei bis heute. Wirkliche Trennung besteht z.B. in Amerika und im heutigen Frankreich (wo sie sich erst nach und nach entwickelt hat).

    Bis heute ist es ja sehr unterschiedlich, was unter “Trennung” verstanden werden soll. Sind Kirche und Staat in Deutschland heute getrennt oder nicht?

    Und inwiefern diese in Verfassungen enthalten sind ist auch so eine Frage: in Frankreich ja, in den USA und Deutschland ja zum Beispiel nicht. Die Formulierungen in den Texten gehen andere Wege, auch wenn die Diskussion oft dieses Schlagwort gebraucht (aber gelten sollten die Texte und nicht die Schlagworte).

  3. str wrote:

    Ach ja, es ging ja um den Islam.

    Bei diesem gibt es wiederum die “vorchristliche Einheit” im reinsten Sinne, egal ob im fundamentalistischen Saudi-Arabien oder in der laizistischen Türkei, die sich ja schließlich eine Religionsbehörde leistet. Am ehesten gibt es eine Scheidung (aber natürlich nicht so wirklich) im Iran, aber das sind ja auch Schiiten, die eine gewisse Scheidung durch ihr langjähriges Untergrunddasein kennen.