Füttere die Bestie gut

Füttere die Bestie gut!Der Weg zum Herzen des Mannes geht durch den Magen, das ist eine alte, noch nie bestrittene Wahrheit. Liebe allein reicht nicht aus, den glücklichen Fortbestand einer Ehe zu gewährleisten. Eine versalzene Suppe, ein angebrannter Braten sind oft die kleinen Ursachen einer verfehlten Ehe. Die Magenfrage ist nun einmal für das körperliche und geistige Wohlbefinden des Menschen von größter Wichtigkeit. Darum sollte jede Frau sich an Hand eines zuverlässigen Kochbuches eine gewisse Sicherheit im Kochen anzueignen suchen, dann wird ihr das Kochen auch keine Last sein.

Der Mann kommt mittags vom Bureau oder sonstiger Arbeitsstätte nach Hause und will sich am Familientisch neu kräftigen. Er kommt hungrig nach Hause, darum sei das Essen auch stets pünktlich fertig, auch sorge man für stete Abwechslung in den Speisen, das macht die Mahlzeit interessant. Der dankbare Gatte wird lächelnd und gespannt sehen, was seine erfindungsreiche Hausfrau neues bringt, was sie sich wieder ausgedacht und was sie gelernt hat. Das macht die Mahlzeit vergnügt und spornt zu immer neuen Versuchen an. Auch lese sie in ihren Mußestunden oft in ihrem Kochbuche mit mindestens demselben Interesse, als etwa ein Modenjournal, es wird ihr Eheglück befestigen helfen, denn jeder Mann schätzt die Kochkenntnisse seiner Frau am höchsten. Und wenn vor einiger Zeit bei einem Berliner Preisausschreiben über das Thema: “Wie der Mann zu fesseln ist” die Lösung: “Füttere die Bestie gut!” den ersten Preis davon trug, so bestätigt das nur daß oben gesagte.

Der Tisch sei stets recht einladend und mit einem sauberen, weißen Tischtuch bedeckt, die Teller und Gläser sauber und blitzblank. Auch stelle man, wenn möglich, immer eine Vase mit frischen Blumen auf den Tisch, die man vom Spaziergang mit heimgebracht hat, die Männer sind für alles dies sehr empfänglich. Dann noch ein freundliches Gesicht und nett und sauber angezogen, und der Gatte wird sich vergnügt und gut gelaunt an den Tisch setzen, und das ist schon der Anfang einer guten Verdauung.

Die soziale Frage wird schnell gelöst sein, sobald alle Frauen gut zu kochen verstehen und das Heim behaglich zu machen wissen, so daß der Mann sich zu Hause wohler fühlt als im Wirtshause. Man mag darüber lachen wie man will, ich bin gewiß, daß diese Lösung in der Hand der Frau liegt, in der Hand, die zu kochen versteht.

Das Vorwort aus “Illustriertes Kochbuch” von Mary Hahn, wahrscheinlich aus dem Jahr 1924. Ob Eva Hermann dort gespickt hat?

Comments

  1. Cicero wrote:

    Ich will ja keiner Frau, am wenigsten meiner Gattin, ihre Kochkünste absprechen.
    Ganz im Gegentum, die kann eine ganze Menge leckerer Gerichte zubereiten und ihre Soßen sind legendär.
    Ich gebe jedoch zu bedenken, daß die überwältigende Mehrheit der Sterneköche Männer sind.

    Im Gegenzug muß ich eingestehen, daß die wenigsten männlichen Freizeitköche in der Lage sind alltagstauglich zu kochen.

    Und gerne gestehe ich ein, daß auch ich selber wesentlich lieber ein mehrgängiges Menü als einen Eintopf koche, obwohl ich auch letzteren in brauchbarer Qualität zustande bringe. Die moderne Lebens- und Arbeitswelt, moderne Haustechnik und sich zunehmend emazipierende Männer erfordern auch die Alltagstauglichkeit des Mannes in der Küche.
    Konkurrenz belebt auch hier das Geschäft.
    Schlimm finde ich daran gar nichts.

    Obiges Zitat aus einem Kochbuch vergangener Tage finde ich heute eher lustig. Es ist ein Bild von einem Ideal, daß sich wegen seiner Dekadenz nur temporär halten konnte. Ein schöner Traum, den übrigens nicht nur Männer geträumt haben. Man beachte: Die Autorin ist eine Frau.

  2. Onkel Toby wrote:

    Hallo Cicero,

    Wenn die meisten Sterneköche Männer sind, heisst das dann für Dich, das Männer besser kochen können? Und wenn eine Frau sowas schreibt, heisst das dann für Dich, das Frauen das auch super fanden? KÖNNTE es nicht im weiten Bereich des Möglichen liegen, dass diese beiden Beispiele eher etwas über die Bedingungen der Möglichkeit aussagen, in der Frauen in Berufen wahrgenommen werden? Besteht nicht auch ferner die Möglichkeit, das der Verlag eine Frau als Autorin des Buches nennt (oder es sogar von einer schreiben lässt), damit andere Frauen und Männer genau das denken?

    Ohje, ohje. Willkommen im 21. Jahrhundert.

  3. einwort wrote:

    füttere die bestie gut. etwas derb aber, JA!