Entwarnung: Fasten macht nicht katholisch!
Ich finde es eigentlich schade, dass diese traditionell wichtige Zeit meist in evangelikalen Kirchen wenig Beachtung findet – aus Angst, als zu katholisch dargestellt zu werden. Oder werksgerecht, oder “heiliger” als der Rest.
Beim Lesen dieses Satzes von Danny musste ich schmunzeln und kann Entwarnung geben: Fasten macht zwar hungrig aber nicht automatisch katholisch. Da Protestanten und Evangelikale sowieso nie Spaß haben, brauchen sie eigentlich nicht zu fasten, denn auf was sollten sie noch verzichten? Den orthodoxen Griechen hingegen bewahrt der 48-tägige Verzicht auf Fleisch, Fisch, Eier und Milchprodukte vor der völligen Verfettung und wir Katholiken würden ohne eine Alkoholabstinenz in der Fastenzeit allesamt an Leberzirrhose zugrunde gehen. Wie man sieht, haben wir traditionellen Christen diese Fastenzeit bitter nötig. Wenn wir uns als Nebeneffekt auch noch öfter in die Kirche schleppen und zwischendurch mal wieder ein Gebet wagen, kann das sicherlich auch nicht schaden.
Mehr zur Fastenzeit:
Johannes wrote:
“Da Protestanten und Evangelikale sowieso nie Spaß haben, brauchen sie eigentlich nicht zu fasten, denn auf was sollten sie noch verzichten?”
Boah, starkter Tobak…wenn meine evangelischen Freunde hören, wo ich mich hier rumtreibe…
Darf ich noch einen draufsetzen?
Die größte Angst der Kathos ist:
Nicht in den Himmel zu kommen.
Die größte Angst der Evangelen ist:
Katholisch zu werden.
Posted 21 Feb 2007 at 6:46 pm ¶
Onkel Toby wrote:
Ach ja, fasten. Steht schon seit Jahren auf dem Zettel, habe ich aber noch nier ernsthaft gemacht. Immerhin rauche ich seit einem halben Jahr nicht mehr, gilt das nicht auch irgendwie?
Posted 21 Feb 2007 at 8:34 pm ¶
fono wrote:
@Toby
>gilt das nicht auch irgendwie?
Das Fasten bedeutet genau genommen wirklich schlichten Nahrungsverzicht. Der Verzicht auf eine bestimmte Tätigkeit oder Gewohnheit wird dann als Opfer bezeichnet. Würdest du also während der Fastenzeit das Rauchen einschränken oder ganz aufhören, wäre es ein Opfer. Insofern ist dein Nichtrauchen kein Fasten aber dennoch sehr löblich.
Posted 21 Feb 2007 at 8:46 pm ¶
francis wrote:
ich verzichte auf süßkram und bier. das sind harte maßnahmen, auch wenns kein richtiges fasten ist. :)
Posted 21 Feb 2007 at 9:31 pm ¶
francis wrote:
ach, und weil ich jetzt in düsseldorf wohne, fühle ich mich natürlich allein schon deshalb katholischer. :)
Posted 21 Feb 2007 at 9:32 pm ¶
haso wrote:
du hast recht. mir fällt auch nichts ein, worauf ich armer evangelikal-protestantischer asket ohne jegliche lebensfreude noch verzichten sollte. deshalb schlage ich vor, wir führen im protestantismus eine neue kampagne ein: “40 tage auch mal etwas genießen.”
Posted 22 Feb 2007 at 8:04 am ¶
Onkel Toby wrote:
Ich soll also wieder anfangen zu rauchen?
Posted 22 Feb 2007 at 8:32 am ¶
Claudia wrote:
Da man ja während der Fastenzeit kein Fleisch essen soll – so man denn fasten will -, schlage ich vor, beiden Vereinen auch das Fressen von Katholiken bzw. Protestanten wenigstens vierzig Tage lang zu untersagen.
Zu Ostern dürfen wir uns dann wieder in der Luft zerreißen.
Posted 22 Feb 2007 at 11:08 am ¶
francis wrote:
ich genieße Gottes herrlichkeit. :)
Posted 22 Feb 2007 at 11:19 am ¶
sttn wrote:
@Claudia
Super Idee ;-)
@Tobi
Auch Deine Fastenidee mit dem Rauchen aufhören finde ich spitze. Ich habe vor ca. 5 Jahren aufgehört und ich fände es spitze wenn das nun als Dauerfasten gilt.
Posted 22 Feb 2007 at 6:44 pm ¶
Claudia wrote:
@sttn: Und dann wirst Du dereinst heiliggesprochen, und auf Deine Fürbitte können Leute die Fluppe liegenlassen… Das wäre mal eine ikonographische Aufgabe für die bildende Kunst: Heiligenscheine in Graublau bedeuten, der hat jahrelang nicht geraucht, obwohl er gern hätte.
Posted 23 Feb 2007 at 6:32 am ¶
FingO wrote:
Ich esse Fleisch nur an Tagen, die mit g enden. Und Mittwochs.
Neee! Ich esse keine Süßigkeiten (fasten), steh in der woche um sieben auf (“Schlafentzug”, alte asketische Methode, die die Ausschüsse von Dopamin und körpereigenen Psychedelika stimuliert) und halte meinen Trainingsplan mal endlich wieder ein (wenn man bis neun an der Uni arbeitet und erschöpft ist, ist das ein Opfer!). Und mach meine Diplomarbeit ;) (Opfer)
Posted 23 Feb 2007 at 1:17 pm ¶
Petra wrote:
Die traditionelle Dreiheit in der Fastenzeit ist ja Fasten, Gebet, Almosengeben (wie Jesus uns ja in Mt 6, dem Evangelium zum Aschermittwoch, nahelegt).
Also gehören vermehrtes Gebet und gute Taten (Spenden an Arme und caritative Organisationen, Aushilfe in Suppenküchen usw.) genauso dazu, wie das eigentliche Fasten. (Ich selbst esse in dieser Zeit kein Fleisch, keine Süßigkeiten und trinke keinen Alkohol. Ausnahme sind die Sonntage, weil am Sonntag sowieso nicht gefastet wird.)
Das wichtigste an der Fastenzeit ist aber Einkehr, Umkehr, Buße (mit der obligatorischen Beichte in der Fastenzeit), Friede und Vergebung, wie uns Jesaja nahelegt.
Allen Katholiken wünsche ich also eine segensreiche Fastenzeit, und allen Nicht-Katholiken interessiertes Kiebitzen… ;-)
Posted 25 Feb 2007 at 8:14 pm ¶
Petra wrote:
Ah, der Link ist irgendwie verschwunden: ich meinte Jesaja 58, 1-9 (Lesung am ersten Freitag nach dem Aschermittwoch):
“Nein, das ist ein Fasten, wie ich es liebe: die Fesseln des Unrechts zu lösen, die Stricke des Jochs zu entfernen, die Versklavten freizulassen, jedes Joch zu zerbrechen, an die Hungrigen dein Brot auszuteilen, die obdachlosen Armen ins Haus aufzunehmen, wenn du einen Nackten siehst, ihn zu bekleiden und dich deinen Verwandten nicht zu entziehen.
Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Wunden werden schnell vernarben. Deine Gerechtigkeit geht dir voran, die Herrlichkeit des Herrn folgt dir nach.”
Posted 25 Feb 2007 at 8:17 pm ¶
Christian wrote:
:lol:
... ups, sorry ... ich bin ja “evangelikal” und darf nicht lachen.
Posted 03 Mrz 2007 at 10:30 pm ¶