Als das Rauchen noch nicht tödlich war

Alte Werbung für Drum-TabakDa Raucher demnächst auch in Deutschland zu den Parias gehören werden, hier noch ein nostalgischer Blick zurück in eine Zeit, als Rauchen noch lässig, verwegen oder männlich war und einfach zum Leben dazu gehörte: Sven K. hat vor ein paar Monaten eine kleine Serie über Zigaretten- und Tabakwerbung aus den frühen 80er-Jahren geschrieben, die mich wehmütig werden lässt. Betrachtet man die derzeitige Hysterie, kann man fast nicht glauben, dass Rauchen einmal normal gewesen ist. Ich selbst habe ca. 1988 das Rauchen angefangen, zuerst Reval ohne Filter, die man damals einzeln am Kiosk kaufen konnte. Später bin ich dann auf Selbstgedrehte umgestiegen und bis heute dabei geblieben. Tabakrauchen hatte auch den Vorteil, dass man nicht so oft angeschnorrt wurde, weil viele nicht Drehen konnten oder nur die üblichen Zigaretten rauchten. Wenn habe ich mir an einem mittlerweile abgerissenen Kiosk am Bahnhof merkwürdige ausländische Zigaretten gekauft, die alle widerlich fanden und ich sie deshalb selbst rauchen konnte. Ich glaube, ich fahre gleich noch zur Tankstelle und schaue ob es dort Reval ohne gibt.

Comments

  1. Amica wrote:

    Nenn mich Spielverderberin, aber ich kann nicht schweigen bei Sätzen wie: ”[...] als Rauchen noch lässig, verwegen oder männlich war und einfach zum Leben dazu gehörte” – das nämlich fand mein Opa damals auch. Als ich ca. 5 war, musste er mit dem Rauchen aufhören, weil nur noch ein halber Lungenflügel funktionsfähig war. Als ich 14 war, ist er qualvoll gestorben – langsam erstickt.

  2. Thomas wrote:

    Auch wenn ich diesem Laster, wenn auch in Form einer abendlichen Pfeife, ich bekenne mich zu meinem Alter ;-), fröne, erinnern mich solche Geschichten an eine Lüge meiner Mutter. Vielleicht nicht eine Kettenraucherin, aber doch einige Zigaretten am Tag. Als ich ein Kind war und gehört hatte, Rauchen würde Menschen umbringen, habe ich sie besorgt darauf angesprochen. Sie meinte daraufhin, dass sie davon nicht betroffen sei, weil – ehrlich gesagt habe ich vergessen warum, aber als Kind habe ich es geglaubt. Hmm, stimmt mich irgendwie nachdenklich …

  3. Jürgen wrote:

    Ja, Reval Ohne sind gut!

  4. Jürgen wrote:

    Spinner…als ob wir keine anderen Probleme hätten…

  5. Claudia wrote:

    Da schließ ich mich mal Amica an – aus nicht ganz so krassen, aber doch ähnlichen Erfahrungen in der Familie, aber auch, weil mir die Attribute “männlich” und “verwegen” einfach nicht einfallen wollen bei dem Gefühl “der könnte sich echt mal wieder waschen, aber vermutlich nützt es nicht viel bei der Menge Fluppen”.

  6. FingO wrote:

    Selbst ich, der ich leider wieder rauche, muß mich anschließen. Anfang Dezember ist meine Mutter an Krebs gestorben, und, so wie es aussieht, haben die Glimmstengel dabei geholfen.

  7. Onkel Toby wrote:

    Das Rauchen schädlich ist, weiss Du nun wirklich jeder, aber darum geht es doch m.E. überhaupt nicht. Raucher sind schlicht die nächste gesellschaftliche Gruppe, deren Persönlichkeitsrechte eingeschränkt werden, damit sich die Politik mal wieder nicht um die wirklichen Probleme im Land kümmern muss. Und wird dieser Sündenbock durch sein, wird sich schon eine andere Gruppe finden, auf die man einprügeln kann. Eine Zeit, in der das Rauchen nicht tödlich war, hat es wohl nie gegeben, aber ich erinnere mich, dass man früher immer einen Kompromiss mittels gesundem Menschenverstand zwischen Rauchern und Nichtrauchern finden konnte, ohne, das der Staat mal wieder was verbieten muss.

    Hundehalter, ihr könntet die nächsten sein.

  8. Thomas wrote:

    Die Freiheitsrechte der Raucher, also z.B. auch ich, sind nur die eine Seite, was ist mit den Freiheiten der Passivraucher? Z.B. Angestellte in Restaurants und Kneipen. Zählt ihre körperliche Unversehrtheit nicht? Und die Freiheit ja kündigen zu können ist nicht sehr vielversprechend.

  9. FingO wrote:

    @Thomas: Als Physiker, der gerade im Augenblick darum betet, daß die achtstundenmessung an CO die Gaszelle dichthält, kann ich dieses Argument nicht nachvollziehen. Als angehender Physiker kann es durchaus möglich sein, daß sich in meine Lungen mal ClF-Gas, eben CO oder ähnliches verirrt und ich damit meine Gesundheit mehr als gefährde. Gerade letzte Woche hat eine Arbeitskollegin den Laser nicht richtig geblockt und nur durch Glück habe ich noch mein Augenlicht (“hätte ins auge gehen können” gewinnt eine ganz neue Bedeutung). Ich kann mich nicht beschweren, man hätte mich vorher nicht gewarnt; das Leben eines Experimentalphysikers ist mit Gefahren verbunden.

    Außerdem ist es nunmal NICHT so, daß auf einmal, aus heitersten Himmel, die gemeinen Raucher anfingen, in Bars zu qualmen, nein, das war schon so, als ein Nichtraucher überlegte, ob er diese Semesterferien nicht im Cafe Zeitlos als Kellner jobben sollte. Ums jetzt mal so auszudrücken.

    Erst war der Qualm da, dann der Nichtraucher, um es mal so zu formulieren, nicht umgekehrt.

    Diese ganze Debatte erinnert mich an manche auswüchse der “Kreuze in Klassenzimmern” – Debatte: Da haben sich muslimische junge Frauen bei einer katholischen Privatschule angemeldet (privat, d.h. sie hätten nicht hingehen müssen) und irgendwann gefordert, man solle die Kreuze aus den Schulzimmern hängen. Nee, meine Lieben! Ihr wußtet vorher, auf was für eine Schule ihr geht!
    Und ebenso weiß ein Nichtraucher, der sich für einen Barkeeper- oder Kellnerjob bewirbt, vorher, daß in solchen Etablissements geraucht wird.

    Eine ganz andere Frage ist, ob denn nun wirklich in jeder Bar/Kneipe/Disco geraucht werden muß. Sicherlich wäre es eine Möglichkeit, das dem Barkeeper oä anheim zu stellen. Nun könnte es sein, daß die Nichtraucher zurecht fürchten, dan wird sich nichts ändern, ok, kein Barkeeper will dem Stammgast die Kippe von heut auf morgen verweigern. Mir fällt da keine ad-hoc-Lösung ein, aber eine (mal wieder von der Regierung gängelnde) wäre vielleicht, daß es in Städten eine gewisse “Nichtraucher-absteige”-Quote geben muß. Ja, das wäre mal wieder von oben herab-bestimmt, aber immer noch besser als a.) wenn man gar nichts macht oder b.) wenn man allg. Rauchverbot einführt.

  10. str1977 wrote:

    Auch wenn ich neulich hier als “Gutmensch” (auch ein sehr sonderbares Wort) abgewatscht wurde, muß ich dennoch fono hier verteidigen:

    1. Stammt der Titel von der Serie, die er verlinkt.

    2. Rauchen war damals genauso wie heute tödlich … oder auch nicht. Ungesund ist es allemal, aber einmal stirbt nicht jeder dran, schon gar nicht gleich, und dann gibt es auch noch die 90jährigen lebenslangen Raucher.

    Sicher sollte man die gesundheitlichen Gefahren nicht verschweigen oder verharmlosen, aber ich glaube nicht, daß fono das getan hat. “lässig” und “männlich” schließen ja durchaus nicht “ungesund” aus.

    Thomas nennt den einzigen (aber auch wirklich einzigen) Punkt, der für ein Rauchverbot (den Neologismus “Nichtraucherschutz” schlage ich hiermit zum Unwort des Jahres vor) spricht: Angestellte in der Gastronomie. Sicher müssen diese geschützt werden, doch ich bezweifle, daß ein generelles Rauchverbot der richtige Weg ist.

  11. Thomas wrote:

    @Fingo: Okay, nettes Beispiel, absolut nichtssagend, aber nettes Beispiel. Wer sich nicht bei einem Banküberfall erschießen lassen will, muss ja auch nicht in einer Bank arbeiten. Oder wer Angst hat sich anstecken zu lassen, sollte besser nicht Krankenschwester werden. Wer Qualm nicht mag, sollte nicht im Büro mit einem Raucher sitzen … Und das Beispiel mit den Musliminnen, also bitte, natürlich ist das Quatsch was die gemacht haben, aber ich sehe keine Beziehung zum Thema – außer einer unnötigen Emotionalisierung.

    Natürlich ist ein Verbot immer die schlechteste Lösung, aber manchmal ist auch die schlechteste Lösung besser als gar keine Lösung. All jene die jetzt den Untergang der Freiheit an die Wand malen, nur weil sie sich an der Bar keine Kippe mehr anzünden dürfen, sollten vielleicht mal in sich gehen und sich ihre Paranoia für die wichtigen Gefahren der Freiheit aufheben. Solange keine Raucher wegen Verstößen eingekerkert werden, geht mir dieses “Wehret den Anfängen”-Gelabber einfach nur auf den Keks.

  12. str1977 wrote:

    So was sind denn diese “wichtigen Gefahren der Freiheit”?

    Wehret den Anfängen!

  13. FingO wrote:

    Wieso ist das Beispiel absolut nichtssagend? Wenn ich mich in einer Bar als Kellner bewerbe, sollte ich, wenn ich auch nur ein einziges Mal davon gehört hab, was man so in einer Bar macht, wissen, daß da geraucht wird. Nachher rumheulen – sorry, das sehe ich echt nicht ein.

  14. FingO wrote:

    Nebenbei gesagt: ich male nicht den Untergang der Freiheit an die Wand, sondern den Untergang der Bars (und das Wiederaufkommen der Rauchsalons, in denen es dann auch bier und Musik gibt. Man könnte sie Bars nennen, aber…. ähhh… ;) )

  15. FingO wrote:

    Letztlich ist doch die ganze Diskussion nun egal: die Länder haben beschlossen, daß in Kneipen nicht mehr geraucht wird und ich hoffe, daß ich, wenn ich (hoffentlich in baldiger zeit) mit dem Rauchen aufhöre, weiterhin Bars/Discotheken/etc wie die Pest meide. Eigentlich schade, gehe ich doch recht gerne tanzen…

  16. Thomas wrote:

    @str1977: (Vorsicht: Schamlose Eigenwerbung!) Zu diesem “Wehret den Anfängen”-Quatsch habe ich mich in meinem Blog ausführlich geäußert.

    @FingO: Das mit dem Untergang der Freiheit war eher auf str1977 bezogen, das kam in meinem Kommentar nicht wirklich raus. Aber trotzdem, meine Kritik an deinen Beispielen war das deine Arbeit, die eines Polizisten oder einer Krankenschwester ja einen nützlichen Zweck erfüllen. Rauchen, auch wenn mir die Pfeife in meinem Mund gerade etwas anderes sagt, tut das nicht. Ich glaube auch nicht das damit der Untergang der Gastronomie erfolgt, das ist in anderen europäischen Ländern doch auch nicht eingetreten. Aber im Grunde hast du auch Recht, die Diskussion ist gelaufen, die Gesetze werden kommen.

  17. FingO wrote:

    Jedenfalls, um dieser ganzen Diskussion die gehörige Portion Nonsens zu geben, will ich nur anmerken, daß ich nun Angst vor Kirchen habe. Der geneigte kath.net-Lerser weiß warum ;)

    Gottesdienstbesucher setzen sich unter Umständen einer starken Feinstaubbelastung aus. Besonders hoch ist das Risiko angeblich in katholischen Kirchen durch Weihrauch und Kerzen. Das hat nach Angaben des Nachrichtenmagazins “Der Spiegel” (Hamburg) der Klimatologe Stephan Weber von der Universität Duisburg-Essen herausgefunden. So ergaben sich laut dem Klimatologen Messwerte von bis zu 220 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter in der Luft, was den zulässigen EU-Grenzwert um das Vierfache übersteigt.
    (Quelle: Kath.net)

  18. str1977 wrote:

    Thomas,

    ich nehme also an, die Gründe sind nicht der Rede und daher des Postings hier wert.

    FingO,

    psst, nicht zu laut. Da kommt noch jemand auf dumme Gedanken.

  19. str1977 wrote:

    Thomas,

    gelesen habe ich Deine Begründung dann aber doch.

    Und wir sind gar nicht so weit voneinander weg, was das angeht (wenn auch nicht im Endergebnis Rauchverbot). Auf welchen meiner Beiträge sind das “Untergang der Freiheit” beziehen soll, ist mir jedoch unklar.

    Im übrigen: Wehret den Anfängen, denn das Wort “Meinungsdelikt” ist noch schlimmer als Nichtraucherschutz (und mithin habe ich meine Frage von oben selbst beantwortet).