Der Kaiser von Amerika
Heute las ich in einem Buch über Exzentriker die wunderbare Geschichte von Joshua A. Norton, dem ersten und bislang einzigen Kaiser der Vereinigten Staaten von Amerika. Vor seinem Amtsantritt war Norton Geschäftsmann und verlor durch eine enorme Fehlinvestition in peruanischen Reis sein gesamtes Vermögen, und musste deshalb 1858 seinen Bankrott erklären. Schon ein Jahr später, am 17. September 1859 erklärte er sich durch eine Proklamation in einer Tageszeitung selbst zum Kaiser der USA und Schutzherrn von Mexiko. Die Regierung der USA ignorierte natürlich sämtliche Edikte des Kaisers, so auch seine Forderung nach der Auflösung des Kongresses.
Das wirklich lustige an dieser Geschichte ist aber die Reaktion der Stadt San Francisco. Dort mochte man ihn und es sind viele Geschichten über die täglichen Visitationen des Kaisers auf den Straßen der Stadt überliefert. Einmal soll er sogar einen Bandenkrieg dadurch beendet haben, in dem er sich zwischen die Kontrahenten stellte und solange das Vater Unser betete, bis sich der Pöbel auflöste. Teure Restaurants in denen er umsonst dinierte, schmückten sich mit dem Titel „Im Dienste Seiner Kaiserlichen Majestät, Kaiser Norton I. der Vereinigten Staaten“ und es wurde keine Theater- oder Musikveranstaltung eröffnet, ohne dass für den Kaiser und seine zwei Hunde Plätze reserviert wurden.
1867 wurde er von einem übereifrigen Polizisten verhaftet, um gegen seinen Willen seinen Geisteszustand untersuchen zu lassen, was zu starken Protesten der Bevölkerung und der lokalen Zeitungen führte. Daraufhin setzte man ihn schnell wieder auf freien Fuß, die Polizei entschuldigte sich förmlich und fortan wurde dem Kaiser auf der Straße von allen Polizeikräften salutiert. Als Norton 1880 starb hinterließ er nicht mehr als ein paar Dollar, unzählige Weisungen und ein paar Scheine seines selbst gedruckten Geldes. Ein Club von Geschäftsleuten finanzierte deshalb eine würdige Beerdigung, an der bis zu 30.000 Menschen teilnahmen. Auf seinem Grabstein steht bis heute die Inschrift: “Norton I., Kaiser der Vereinigten Staaten, Schutzherr von Mexiko“.
kapeka wrote:
Wie Geil. Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten … ;-)
Posted 27 Feb 2007 at 8:21 pm ¶
dilettantus-in-interrete wrote:
Da gibt´s auch einen Lucky Luke zu!
Posted 28 Feb 2007 at 12:24 am ¶
str1977 wrote:
Also übereifrig würde ich den Polizisten nicht nennen. Ich finde seine Vorgehensweise ganz normal und eigentlich unausweichlich. Warum man den “Kaiser” allerdings freigelassen hat leucht mir nicht ein.
Posted 28 Feb 2007 at 1:02 am ¶
fono wrote:
@str1977
>Ich finde seine Vorgehensweise ganz normal
Ich nicht, denn Norton hat keine Straftat begangen. Alle Annehmlichkeiten seines Amtes wurden ihm freiwillig zur Verfügung gestellt. Insofern gab es keinen Grund für eine Inhaftierung und geisteskrank war er auch nicht. Lediglich etwas exzentrisch.
Posted 28 Feb 2007 at 6:30 pm ¶
str1977 wrote:
fono,
man mag das nicht ganz ernst nehmen, was Mr Norton da tat, aber er hat eben doch eine Straftat begangen: wie wäre es mit Hochverrat, Aufruf zum Hochverrat etc. Ein “Amt” mit Annehmlichkeiten gibt es gar nicht.
Posted 01 Mrz 2007 at 7:54 am ¶
fono wrote:
Ach komm, er war ein sehr freundlicher Monarch und seine Legitimation war nicht schlechter als zum Beispiel die derjenigen, die bis heute von sich behaupten, rechtmäßige Könige und Königinnen von England zu sein.
Posted 01 Mrz 2007 at 11:47 pm ¶
str1977 wrote:
Ähem, Fono.
Er war gar kein Monarch, sondern nur der sich selbst dafür erklärte, die rechtmäßige Volksvertretung für aufgelöst erklärte und das Militär aufrief, seiner “Herrschaft” Geltung zu verschaffen.
Legitimation hatte er gar keine.
Im Gegensatz zu den Königen von England, die immerhin aufgrund des Konsens der Regierten und der durch deren Vertreter (und die früheren Monarchen) beschlossenen Gesetze und Verfassungsordnung.
Das ist letztlich was zählt. Ansonsten kann ich mich morgen auch zum Großpotentat von Deutschland (oder warum nicht gleich ganz Europa) erklären. Das würde zwar, falls ich Erfolg habe, das Rauchverbot abwenden (;-)) aber wäre trotzdem ein versuchter Staatsstreich.
Es kann nicht jeder Hanswurst herkommen und die Regierung an sich reißen. Heist der Hanswurst Norton, mag es lustig sein (habe ich nie in Abrede gestellt – nur die logische Handlungsweise des Polizisten verteidigt), heißt er aber z. B. Hitler (siehe November 1923) dann wird das jeder einsehen.
Posted 02 Mrz 2007 at 1:01 am ¶