Von Baustellen und Ampeln

Ampeln

Foto: stock.xchng

Bei mir um die Ecke haben sie seit Monaten einen ganzen Straßenzug zur Dauerbaustelle aufgerissen. Der Grund ist die Straße unter mir, die seit noch längerer Zeit komplett unbefahrbar ist. Man hatte nämlich mehr oder weniger überraschend festgestellt, dass die zuleitenden Wasserrohre marode sind und ausgetauscht werden müssen. Deshalb gibt es an erstgenannter Straße noch weniger Parkplätze als sonst und eine verengte Fahrbahn, die zusätzlich an mehreren Stellen durch Stahlplatten und kleine Aufschüttungen zum Hindernisparkour für Anfänger wird. Als neueste Messstation meines Geduldsbarometers hat man seit gestern zwei absolut nutzlose mobile Ampeln aufgestellt, die dafür sorgen, dass sich der Verkehr zu Stoßzeiten in nie geahnten Ausmaßen staut. Psychologisch interessant ist die Tatsache, dass Herr und Frau Deutsch auch um 23:00 Uhr artig auf leerer Straße vor der roten Ampel stehen bleibt. Wohlgemerkt, vor einer sinnlosen rollbaren Ampel an einer ungefährlichen Baustelle in einem Provinznest.

Als ich das gesehen habe wurde mir plötzlich bewusst, warum seinerzeit Menschen nur “ihre Befehle” ausführten und niemand bei wirklich wichtigen Dingen auf die Straße geht sondern Tatsachen einfach hinnimmt. Ich würde mir für Morgen wünschen, dass wir auf beiden Seiten aus unseren Autos aussteigen, die Ampeln unter Jubel von Hand zu Hand gehen lassen und in den Bach an der Straße werfen. Danach sollte man sich mit den Bauarbeitern verbünden und mit allen Anwohnern ein gemeinsames Straßenfest feiern. Übermorgen können dann die Bauarbeiten ohne Ampeln weiter gehen.

Comments

  1. sttn wrote:

    in den Bach an der Straße werfen: Mir ist da sofort der Gedanken gekommen das Du es einfach tun solltest. Aber leider ist so etwas verboten…

  2. Cicero wrote:

    Bauauschußsitzungen sind ebenso öffentlich wie Ratssitzungen.

    Einfach mal hingehen und vor(!) der Sitzung die Leute ansprechen. An die Mitglieder und die Presse Fotos und einen Text mit dem Anliegen verteilen.

    Vorher beschlauen, wer Ratsmitglied im jeweiligen Wahlbezirk ist und anrufen. Kann ja sein, daß er oder sie sogar Deiner Meinung ist und Deinen Rückhalt gegenüber einer übereifrigen Verwaltung zu schätzen weiß.

    Manchmal hilft es, ganz banal mit Politikern und/oder Verwaltungsmitarbeitern ins Gespräch zu kommen.

    Wenn sich dann nichts tut, nerve man die örtliche Presse.

    Und wenn sich dann immer noch nichts tut: Spektakuläre Aktionen kann man auch so durchführen, daß man anschließend keine Probleme mit der staatlichen Ordnungsmacht bekommt.

  3. str1977 wrote:

    fono,

    “Als ich das gesehen habe wurde mir plötzlich bewusst, warum seinerzeit Menschen nur “ihre Befehle” ausführten …”

    kommt mir doch etwas zu dick aufgetragen vor.

    Ganz abgesehen davon, daß hätten sich alle einige Zeit vorher an die ach so unsinnigen Verkehrs- und andere Regeln gehalten, es gar nicht zu diesen Befehlen gekommen wäre.

  4. fono wrote:

    @Cicero
    Ich habe inzwischen mit einigen angeblich Zuständigen telefoniert, die ihre Zuständigkeit immer verneinten. Zumindest hat sich heraus kristallisiert, dass da wohl ein übereifriger Baustellenleiter am Werk war. Mehr ist allerdings nicht passiert, deshalb werde ich jetzt die lokalen Blätter einschalten.

    Ein weiterer nerviger Effekt der Ampeln ist, dass ich um bei meinem Kumpel an besagter Straße parken zu können, erst eine grüne Phase abwarten muss, dann aber nicht parken kann, weil die andere mobile Ampel genau vor seinem Haus steht und die wartenden Autos auf der Gegenseite den Bürgersteig blockieren. Also muss ich links blinken und den gesamten Verkehr aufhalten um abzuwarten, bis die Gegenseite grün hat.

    @str1977
    Du würdest bestimmt auch an einer leeren Kreuzung um 2:30 Uhr vor einer roten Ampel stehen bleiben ;)

  5. Petra wrote:

    Witzig, Deine Beobachtung.

    Du bist aber nicht der Erste, der sie macht: es gab in den 60er Jahren einen sowjetischen Propaganda-Dokumentarfilm mit dem Titel “Der alltägliche Faschismus”. Dort wurde das Stehenbleiben der deutschen Fußgänger an Ampeln, obwohl kein Auto kommt, als das Beispiel par excellence für den blinden “Kadavergehorsam” dargestellt… ;-) (Hab den Film selbst nicht gesehen, aber mein Vater hat mir davon erzählt.)