Sekten in Brasilien

Foto: stock.xchng
Während seines Aufenthalts in Brasilien hat Papst Benedikt die Methoden der evangelikalen Sekten angeprangert, die stetig versuchen katholische Gläubige in ihre Reihen zu ziehen. Mit um die sechs Millionen Mitgliedern ist die “Universelle Kirche vom Königreich Gottes” eine der größten und einflussreichsten dieser Sekten. Sie wurde 1977 im Hinterzimmer eines Beerdigungsunternehmens gegründet und hat seitdem Gemeinden in 80 Städten Brasiliens gegründet. Geleitet wird die Bewegung von “Bischof” Edir Macedo, einem charismatischen Prediger, der den Menschen das Himmelreich auf Erden verspricht, solange sie artig ihren Beitrag zahlen. Ansonsten müssen nur ausgiebig Dämonen ausgetrieben werden, die allein die Schuld an Armut und Krankheit tragen. In der neuen Ausgabe des Vatikan-Magazins gibt es einen Artikel, der die Methoden dieser und anderer Sekten beschreibt und auch Pfarrer Marcelo Rossi, einen in Brasilien sehr populären Geistlichen zu Wort kommen lässt. Zusätzlich habe ich noch weitere Informationen in einer älteren Ausgabe der Zeitschrift Tópicos sowie den Bericht eines evangelischen Sektenbeauftragten entdeckt.
Wer nichts wird, wird Kirchengründer – Vatican-Magazin (PDF)
Evangelisierung zwischen Show und Kommerz – Tópicos (PDF)
Mit dem Plastikschwert gegen Dämonen – religio.de
Tom Götze wrote:
Der Artikel aus dem Vatican-Magazin ist ja ganz hübsch verallgemeinernd. Buuuhuuu, die Pfingstler und Sektierer kommen. Interessant finde ich auch die Unterscheidung zwischen Sekte und Pfingstler. Früher war das noch eine Kategorie in manchen Katholischen Kreisen.
Die erwähnte “Universelle Kirche vom Königreich Gottes” erscheint auch mir reichlich schräg und ist nahe an der Sektengrenze oder ist gar als eine solche zu bezeichnen. Und das in Brasilien jeder nach seinem Belieben eine neue Kirche / Gemeinschaft gründen bzw. ausrufen kann, finde ich äußerst beunruhigend.
Andererseits sind aber nicht alle Freikirchen und Pfingstgemeinden so, wie im Artikel beschrieben. Ich finde es schade, dass hier Feindbilder geschaffen und verstärkt werden.
Es ist großer Unfug, wenn geschrieben wird: „Die Pfingstgemeinden führen ihre Mitglieder nicht in die Freiheit und Mündigkeit, sondern in ein totalitäres System der Abhängigkeit“, meint der lutherische Sektenfachmann und Brasilienkenner Pfarrer Wohlfang Behnk. Ich finde solche Behauptungen unverantwortlich! In einigen Sondergemeinschaften mag das zutreffen. Und sicherlich haben diese (leider) eine größere Menge an Mitgliedern, als irgendwelche Sondergruppen in Deutschland. Aber deswegen alle Pfingstgemeinden in diesen Topf zu stecken ist wirklich quatsch. Ich verstehe nicht weshalb die beiden großen “Staatskirchen” nach wie vor so ängstlich mit den Freikirchen umgehen. Nach so vielen Jahrhunderten sollte man sich doch langsam mal aneinander gewöhnt haben. Besonders schlimm lesen sich für mich zu dem Thema bestimmte Berichte von sogenannten Sektenbeauftragten der beiden Kirchen. Wo ist eigentlich das Problem? Wieso müssen 2 Instutionen das Leben aller Christusnachfolger organisieren wollen? Wenn ich ehrlich bin, ragen die menschlichen Fehltritte und unbiblische Lehren der beiden Kirchen seit Kaiser Konstantin weit über das Gute hinaus, was die Erklärung zur Staatsreligion gebracht haben soll. Traurig, traurig.
Posted 25 Mai 2007 at 3:04 pm ¶
fono wrote:
@Tom Götze
>was die Erklärung zur Staatsreligion gebracht haben soll
Kaiser Konstantin hat das Christentum nicht zur Staatsreligion erklärt. Diese Legende ist zwar in evangelikalen Kreisen sehr weit verbreitet, es war aber erst Kaiser Theodosius mehr als 60 Jahre nach Konstantin.
Posted 25 Mai 2007 at 4:05 pm ¶
Tom Götze wrote:
Okay. Wie dumm von mir. Sorry. Dabei habe ich doch unter anderem 2 Jahre Kirchengeschichte als Teil meines Studiums gehabt und natürlich hat Konstantin I. die “Konstaninische Wende” herbeigeführt, welche Religionsfreiheit garantierte und nicht das Christentum zur Staatsreligion erklärt. Das kam später, wie du richtig korrigiert hast.
Aber die Folgen dessen sind trotzdem nicht so unterschiedlich.
Posted 25 Mai 2007 at 5:00 pm ¶
sttn wrote:
@Tom Götze
Der Artikel handelt von Brasilien – Du leitest über nach Europa. Du weißt schon das Brasilien etwas weiter weg ist und kaum mit der BRD zu vergleichen ist.
Und auch was Du von der BRD schreibst finde ich etwas merkwürdig. Kann es sein das Du mit den Landeskirchen und der Katholischen Kirche Probleme hast?
Posted 25 Mai 2007 at 9:33 pm ¶
Tom Götze wrote:
@sttn
Ich habe Deutschland mit einem Halbsatz erwähnt. Ansonsten habe ich schon über Brasilien geschrieben. Ich war zwar noch nie dort, habe aber 2 Brasilianer im Freundeskreis und auch noch ein paar Bekannte, die entweder ne Zeit dort gelebt haben, dort noch leben oder ursprünglich aus Brasilien kommen. Von daher “kenne” ich die Situation vor Ort aus deren Beschreibungen.
Posted 26 Mai 2007 at 12:46 am ¶
Petra wrote:
“die menschlichen Fehltritte und unbiblische Lehren der beiden Kirchen seit Kaiser Konstantin”
Und da fragst Du noch, sttn, ob Tom ein Problem mit den Kirchen hat??
Ich finde den Hinweis auf die menschlichen Fehltritte als Beweis der Unheiligkeit der Kirche übrigens immer süß: “Uns, den schon Vollkommenen, Sündenlosen und auf den Himmel Abonnierten kann einfach niiiichts Böses mehr auskommen…”
Posted 26 Mai 2007 at 8:19 am ¶
fono wrote:
@Tom Götze
>und natürlich hat Konstantin I. die “Konstaninische Wende” herbeigeführt, welche Religionsfreiheit garantierte
Genaugenommen wurde die Religionsfreiheit durch das Toleranzedikt von Nikomedia einige Jahre vor Konstantin eingeläutet, indem das Christentum durch Cäsar Galerius Valerius zur erlaubten Religion erklärt wurde. Was lernt ihr eigentlich in diesen “Studien”?
@Petra
>Uns, den schon Vollkommenen
Typische Erscheinungsformen, wenn man zwar einen Papst ablehnt aber selbst noch unfehlbarer als derselbige sein will.
Posted 26 Mai 2007 at 11:22 pm ¶
sttn wrote:
@petra
... stimmt!!!! :-)
Posted 27 Mai 2007 at 1:13 am ¶
francis wrote:
@fono
du bist manchmal ja ein richtiger klugscheißer ;)
ansonsten hat tom natürlich recht. einige pfingstkirchen in brasilien sind schwierig zu bewerten (vielleicht erinnert sich ja noch jemand an diese merkwürdige geschichte: http://www.tagesspiegel.de/politik/archiv/15.07.2005/1933922.asp) und durchaus als sekte zu klassifizieren, andere wiederum nicht.
das zu unterscheiden ist unter anderem die aufgabe von erfahrenen sektenbeauftragten, die aber sowohl in der lutherischen als auch in der katholischen kirche ein sehr vorurteilsbehaftetes bild von charismatischen pfingstgemeinden haben. wobei das auch wieder von landeskirche zu landeskirche unterschiedlich ist. bei der ezw (die übergeordnete behörde der ekd – http://www.ekd.de/ezw/) bspw. machen sie ihren job überwiegend ganz gut.
ich hab bei dem thema brasilien und pfingstler immer so das gefühl, dass die RKK fast ein wenig – naja – “beleidigt” ist. es muss ja schon ziemlich frustrierend sein, einem ehemals erzkatholischen land, in dem man mächtigen einfluss hatte, so an zulauf zu verlieren, weil man (anscheinend? scheinbar?) an den gläubigen vorbeipredigt, aber zumindest ihre bedürfnisse nicht mehr versteht.
und bevor wir alle verfehlungen ganz auf neo-pfinglerische bewegungen schieben: von der RKK ausgehender missbrauch war und ist in südamerika ja leider auch keine seltenheit.
der charismatischen bewegung gehört nunmal die zukunft (ob im katholischen oder protestantischen), damit müssen wir uns wohl abfinden. gegenseitiges verurteilen wird uns da auch nicht weiterhelfen. eine gewisse kritik hingegen ist schon nötig, wenn man manche auswüchse in afrika und eben auch lateinamerika betrachtet.
Posted 27 Mai 2007 at 2:09 pm ¶
fono wrote:
@francis
>Vorurteile von Sektenbeauftragten
Die Lage in Brasilien kann ich natürlich nicht beurteilen. Hier in Deutschland hingegen bin ich schon mehrmals auf freie Gemeinden aus allen möglichen Richtungen gestoßen, denen ich persönlich einen durchaus sektiererischen Charakter bescheinigen würde, obwohl sie keinesfalls als Sekte eingestuft sind.
>der charismatischen bewegung gehört nunmal die zukunft (ob im katholischen oder protestantischen), damit müssen wir uns wohl abfinden.
In der RKK ist die CE mittlerweile gut integriert. Ob ihr die Zukunft gehört wird sich zeigen, trotzdem glaube ich kaum, dass in den normalen Gemeinden in nächster Zeit Lobpreis-Musik und Sprachengebet einziehen werden. Muss ich auch nicht haben ;)
Apropos Charismatiker: Handmotions in Heaven LOL!
Posted 28 Mai 2007 at 9:44 pm ¶