Kölner Eindeutigkeit

31. evangelischer Kirchentag

“Um nicht in den Verdacht des Fanatismus zu geraten, haben sich die modernen Prediger etwas ausgedacht, was sie mit Bescheidenheit das Wort Gottes nennen. Es besteht darin, stundenlang zu salbadern und sich mit vollendeter Geschicklichkeit um das Ja und Nein herumzudrücken.” Mit diesem Zitat des katholischen Autors Léon Bloy unterstreicht Kardinal Meisner seinen Vergleich des Programms des evangelischen Kirchentags mit dem berühmten Leipziger Allerlei. Stattdessen wünscht er sich in seinem Grußwort, dass das Motto der Veranstaltung zum Tragen kommt, damit die Teilnehmer “lebendiger, kräftiger und in ihrem Gewissen geschärfter” nach Hause fahren können.

Morgen wird der Kirchentag mit zahlreichen Gottesdiensten in der Stadt eröffnet. Einer der Predigttexte lautet: “Denn das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und dringt durch, bis es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens. Und kein Geschöpf ist vor ihm verborgen, sondern es ist alles bloß und aufgedeckt vor den Augen Gottes, dem wir Rechenschaft geben müssen.” (Heb 4, 12-13) Eine Predigt dazu werde ich nicht abliefern, aber genau wie Kardinal Meisner sollten wir für einen erfolgreichen Kirchentag beten. Trotz aller Unterschiede sitzen wir schließlich heutzutage mit den Protestanten doch irgendwie in einem Boot.

Weitere Informationen:
Der evangelische Kirchentag beim Domradio
Special zum Kirchentag beim Kölner Stadtanzeiger mit vielen Infos
Auch schön: Jürgen Becker – Köln wird evangelisch
Die Generalsekretärin des Kirchentags im Interview
Kirchentag-Tipps bei Francis