Protestantischer Beißreflex

Ich weiß nicht ob ich den notorischen Beißreflex der protestantischen Bischöfe auf vatikanische Verlautbarungen eher belustigend oder doch nur traurig finden soll. Kaum lässt die Kirche im Kern altbekannte Informationen zum eigenen Selbstverständnis verlauten, fühlen sich die Protestanten “brüskiert”. Dabei kam wirklich nichts Neues aus Rom:


  • die einzige Kirche Jesu Christi ist die (subsistiert in) die katholische Kirche.

  • die orthodoxen Kirchen sind ebenfalls echte Kirchen, weil sie die Sakramente und die apostolische Sukzession wahren.

  • Protestanten und Freikirchen sind keine Kirchen im eigentlichen Sinn, weil ihnen Sakramente und apostolische Sukzession fehlen.

Bischof Huber spricht von einer “unveränderten Neuauflage” der “anstößigen Äußerungen” die 2001 in “Dominus Iesus” veröffentlicht wurden und hat absolut Recht (mit der Neuauflage natürlich). Ich halte den Bischof für einen klugen Mann, deshalb hoffe ich nicht, dass er ernstlich fundamentale Änderungen in der Position der Kirche erwartet hat. Eine intelligente Äußerung eines Lutheraners auf Hubers ökumenischer Betroffenheit habe ich in den Kommentaren der WELT gelesen: “Wenn der Papst uns den Status als Kirche nicht zuerkennt, na und? Wir erkennen ihn ja auch nicht als Stellvertreter Christi auf Erden an. Die richtige Reaktion der Evangelischen Kirche wäre gewesen, eine klare Profilbotschaft herauszugeben und damit im übertragenen Sinne die Botschaft aus Rom zu verbrennen, so wie das Luther mit der Bannandrohung des Papstes auch getan hat.”

Weitere Informationen:
Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche
Das Dokument in der deutschen Textfassung als PDF
Das Dokument in der lateinischen Originalfassung als PDF
Statement von Kardinal Karl Lehmann zum Dokument
Pressemitteilung der EKD

Trackbacks & Pings

  1. [depone] | Daniel Ehniss » Blog Archive » Kirche und Ökumene on 12 Jul 2007 at 9:51 am

    [...] – - interessant sind dazu auch die Beiträge von Fono und [...]

Comments

  1. Petra wrote:

    Dieser “Beißreflex” scheint allerdings hauptsächlich ein Sport der EKD-Führung (und generell etwas sehr Deutsches) zu sein…. Von woanders kamen kaum derartige Reaktionen.

  2. Frank Mazny wrote:

    @Petra
    Stimmt schon, insofern hätte der Titel eigentlich “Beißreflex der EKD” heißen müssen. Da Deutschland aber das Mutterland der Reformation ist und die deutschen Protestanten sich irgendwie für den weltweiten Nabel der Ökumene halten, ist die Reaktion zumindest nachvollziehbar.

  3. francis wrote:

    “Protestanten und Freikirchen sind keine Kirchen im eigentlichen Sinn, weil ihnen Sakramente und apostolische Sukzession fehlen.”

    ich klugscheiß jetzt mal ;): protestanten und freikirchen sind dasselbe. und wir lutheraner haben sehr wohl zwei sakramente: taufe und abendmahl. und ich wette ich finde freikirchen, die apostolische sukzession anwenden (freilich ohne es zu wissen). :)

    und ja, die EKD hält sich tatsächlich für den nabel der ökumene, obwohl an der basis das denken sich schon längst zu verändern beginnt. aber die friede-freude-eierkuchen-fraktion ist derzeit leider noch am drücker.

  4. Frank Mazny wrote:

    @francis
    Meine kleine Liste war auch nur die ganz kurze Kurzfassung. Die Sakramente würde euch Lutheranern auch niemand absprechen wollen. Allerdings fehlen laut Glaubenskongregation ein paar, vor allem das Weihesakrament. Apropos Sukzession: vor einiger Zeit habe ich irgendwo einen Artikel über eine lutherische Kirche aus Skandinavien gelesen, die die Sukzession wieder einführen wollen und dazu sogar einen protestantischen Bischof hatten, der eine gültige Sukzession nachweisen konnte. was daraus geworden ist habe ich nicht nachverfolgt, ich fand es aber interessant.

  5. Kloster-Mann wrote:

    Die EKD Führung war schon immer ein bischen “seltsam”, um das mal sanft zu umschreiben. Klar kann man nachvollziehen, dass sie sich für den “Nabel der Ökumene” hält – Luther war schließlich ein Deutscher. Dennoch: ein bischen “Bodenständigkeit” hat noch niemandem geschadet…

  6. str1977 wrote:

    Francis,

    “protestanten und freikirchen sind dasselbe.”

    alle Freikirchen sind Protestanten, aber nicht alle Protestanten Freikirchen. es gibt eben auch Landeskirchen. Aber katholischerseits macht das keinen Unterschied.

    “und wir lutheraner haben sehr wohl zwei sakramente: taufe und abendmahl.”

    Die Taufe sicher. Bei der Eucharistie sind halt Katholiken und Lutheraner anderer Meinung, auch (aber nicht nur) wegen der Amtsfrage.

    “und ich wette ich finde freikirchen, die apostolische sukzession anwenden”

    Das würde mich sehr verwundern, weil wenn man kein Amt hat, kann auch das Amt gar nicht von den Aposteln hergeleitet werden. Mal ganz abgesehen davon, daß es ein sehr großer Zufall wäre, wenn wirklich eine Sukzession vorhanden wäre. Wohlgemerkt, wir sprachen von Freikirchen.

    “aber die friede-freude-eierkuchen-fraktion ist derzeit leider noch am drücker”

    Leider ist es nicht die Friede-Freude-Eierkuchen-Fraktion sondern die Friede-Freude-Eierkuchen-und-wenn-ihr-nicht-wollt-gibts-Saures Fraktion. Die wir-haben-keine-Substanz-mehr-also-sollen-auch-die-Katholen- sich-nicht-so-haben-Fraktion, die Nicht-Einheit-der-Christenheit-sondern-Heiligsprechung-der-Spaltung-Ökumeniker.

    Ich beneide da jene Protestanten, die einfach nur Christen sein wollen, nicht.

  7. Frank Mazny wrote:

    @str1977
    >Mal ganz abgesehen davon, daß es ein sehr großer Zufall wäre, wenn wirklich eine Sukzession vorhanden wäre.

    In meiner früheren Gemeinde werden ähnlich wie in anderen Freikirchen neue Pastoren eingesegnet. Auch wenn dieser Akt einen anderen Sinn hat, könnte man ihn wohlwollend als eine Art (wohlgemerkt keine apostolische) Sukzession bezeichnen. Fraglich ist allerdings ob die Freikirchen das so begrüßen würden, denn sie haben die Sukzession ja ganz bewusst abgelehnt.

  8. str1977 wrote:

    Frank,

    da hast Du natürlich Recht.

    Ich meinte die “apostolische Sukzession” und nicht einfach eine Sukzession – auch wenn man letztere als einen Schritt in die richtige Richtung betrachten kann, ebenso wie das (leider in der EKD kaum noch präsente) lutherische Eucharistieverständnis ein Schritt in die richtige Richtung ist (vom Protestantischen Ausgangspunkt aus).

  9. Petra wrote:

    Die Apostolische Sukzession hängt eng mit dem Weihesakrament zusammen: kein Weihesakrament, auch keine Apostolische Sukzession (=ununterbrochene Weitergabe des Bischofsamtes durch Handauflegung, die bis auf die Apostel zurückgeht).

    Ich weiß, dass vor allem die skandinavischen Lutheraner (wo die katholischen Bischöfe ja im Gegensatz zu den deutschen Landen mitspielten und evangelisch wurde) mit der Apostolischen Sukzession kokettieren, allerdings: wenn du kein Weihesakrament hast, wie sollt’s dann eine Apostolische Sukzession geben? Das ist schon theologisch unmöglich. Die Weihe ist mehr als bloß die “amtliche Beauftragung” durch die Gemeinde/die Landeskirche/den Monarchen…

    Dementsprechend können Freikirchen auch keine Apostolische Sukzession haben. (Die Einsegnung/Beauftragung/whatever eines Pastors ist ein völlig anderer Kaffee. Das hat nix mit A. S. zu tun.)

    Die einzige (post-)protestantische Gemeinschaft mit sowas wie Apostolischer Sukzession ist die Neuapostolische Kirche, allerdings ist das wieder ein selbsternanntes, “rekonstruiertes” Apostelamt, das selbstredend nicht auf die Apostel Jesu Christi zurückgeht.

    “Leider ist es nicht die Friede-Freude-Eierkuchen-Fraktion sondern die Friede-Freude-Eierkuchen-und-wenn-ihr-nicht-wollt-gibts-Saures Fraktion. Die wir-haben-keine-Substanz-mehr-also-sollen-auch-die-Katholen- sich-nicht-so-haben-Fraktion, die Nicht-Einheit-der-Christenheit-sondern-Heiligsprechung-der-Spaltung-Ökumeniker.”

    Super formuliert, str1977… ;-)

  10. Frank Mazny wrote:

    @Petra
    >Ich weiß, dass vor allem die skandinavischen Lutheraner [...] mit der Apostolischen Sukzession kokettieren

    Ich würde es nicht unbedingt kokettieren nennen, denn immerhin haben sie sich anscheinend ganz konkrete Gedanken darüber gemacht. Das diese Sukzession aus der Sicht unseres Lehramts wahrscheinlich keine Gültigkeit besitzt, ist da für mich erstmal zweitrangig. Viel wichtiger finde ich, dass man sich überhaupt wieder mit dem Thema beschäftigt. Das haben meines Wissens bisher nur die Anglikaner getan, die ja seit des Schismas durchweg gültige Sukzessionslinien nachweisen können. Das sie von der Kirche nicht anerkannt werden ist wieder eine andere Sache.

    >Apostolische Sukzession (=ununterbrochene Weitergabe des Bischofsamtes durch Handauflegung, die bis auf die Apostel zurückgeht

    Die apostolische Sukzession beinhaltet schon etwas mehr als die bloße Handauflegung. Denn diesen Akt kann auch die Kirche nicht zu hundert Prozent bis zu den Aposteln nachweisen. Ich gehe mal davon aus, dass es so ist trotzdem bleibt es auch ein Akt des Glaubens.

  11. Bee wrote:

    Nun was mich an dem ganzen schon ziemlich annervt ist, dass folgendes beim Ottonormalverbraucher ankommt:
    Protestanten = keine Kirche = keine wahren Christen! Genau so faßt es z.B. mein Chef auf, der ansonsten eigentlich ganz clever ist. Sicher glaubt der eher eine Art Patchwork aus allen Religionen (hauptsache man ist tolerant), in die Kirche geht er nur, wenn was außergewöhnliches dran ist, aber wenn er sowas hört, ist er grantig.
    Und ich denke gut, 99% aller Protestanten werden obige Gleichung aufstellen. Die meisten Leute interessiert nämlich nicht, dass es grundsätzlich verschiedene Sichten, auf Amt, Sakramente etc. gibt. Das einzige was da ankommt ist, die Katholen lassen uns nicht mitspielen, weil sie sich für was Besseres halten.

  12. str1977 wrote:

    “Das haben meines Wissens bisher nur die Anglikaner getan, die ja seit des Schismas durchweg gültige Sukzessionslinien nachweisen können.”

    Das ist ein Irrtum. Beim Schisma durch Heinrich VIII. blieb die Sukzession unberührt: alle Bischöfe außer John Fisher haben mitgemacht und Thomas Cranmer war ja selbst noch gültig geweiht und vom Papst mit dem Pallium ausgestattet worden. ABER …

    Als nach der katholischen Restauration unter Maria ihre Schwester Elisabeth an die Macht kam, hat sie das Parlament wieder das Schisma herstellen lassen, woraufhin alle Bischöfe Englands in Protest zurückgetreten sind. Die Sukzession endet also 1560 und eine Wiederherstellung war bis zum Oxford Movement im 19. Jahrhundert kein Thema mehr. (Und das ist auch das entscheidende bei der Frage der Anerkennung anglikanischer Priesterweihen.)

    “Protestanten = keine Kirche = keine wahren Christen!”

    Das ist ja auch verständlich, denn so ist es ja leider meist unter Protestanten gelaufen, daß man sich gleich das Christstein abspricht. Siehe Luther und Zwingli oder auch der kürzlich geehrte Paul Gerhardt (der die Calvinisten nicht als Christen anerkennen wollte).

  13. francis wrote:

    @str1977:
    “alle Freikirchen sind Protestanten, aber nicht alle Protestanten Freikirchen. es gibt eben auch Landeskirchen.”

    klar. genau das hab ich mit meiner aussage gemeint. fono hat nur freikirchen so komisch extra betont, und ich wollte nur festhalten, dass sie genauso protestanten sind wie die landeskirchen.

    @petra + str1977:
    natürlich vertritt keine freikirche eine “richtige” apostolische sukzession, aber – und das hat petra ja schon erwähnt – die NAK und andere “apostolische” freikirchen vertreten ein sehr ähnliches konzept (wenn auch aus junger tradition heraus). in einigen afrikanischen gemeindebewegungen z. b. spielen besonders geweihte “apostel” (mit stark betonter autorität und vollmacht) eine sehr große rolle.

  14. beisasse wrote:

    ich finde bees kommentar sehr wichtig. (s.o. nr. 11) – das ganze findet nicht hinter uni-hörsaalmauern statt, sondern in der öffentlichkeit.

    belehrte kriegen oft ein minderwertigkeitsgefühl. das ist doch nachvollziehbar. – da helfen auch nachklappende kommentaren im firm-unterrichts-modus nichts. die setzen dem belehrungston ja nur noch einen drauf.

    freikirchler haben da keine schwierigkeiten, weil sie sowieso nicht mitspielen dürfen. auch bei der evangelischen amtskirche nicht. und wenn die die römische kirche doof finden, würden freikirchler es auch laut und deutlich in die welt hinaus schreien. wahrscheinlich beeindruckt sie geradezu, dass es institutionen gibt, die der intention nach “die wahrheit sagen”.

  15. Petra wrote:

    “Das diese Sukzession aus der Sicht unseres Lehramts wahrscheinlich keine Gültigkeit besitzt, ist da für mich erstmal zweitrangig.”

    Das Problem ist hier nicht die katholische Theologie, sondern die lutherische. Luther hat das Weihesakrament an sich abgelehnt, es gibt nur das allgemeine Priestertum, jeder (damals nur männliche, heute männl.+weibl.) Christ kann in ein Verkündigungsamt berufen werden – dieses erfolgt aber durch die Gemeinde (!) bzw. durch die Landeskirche und hat nichts mit irgendwelchen göttlichen “Weihen” zu tun.

    Wenn aber Bischöfe nicht von anderen Bischöfen geweiht, sondern bloß ins Amt berufen werden (selbst, wenn’s einen Einführungsritus gibt), wie soll’s dann überhaupt eine Apostolische Sukzession geben? Ich meine, die Protestanten haben zuerst das Konzept an sich abgelehnt – und jetzt wollen sie’s doch wieder haben, nur weil’s gut klingt?

    “Apostolische” Post-Protestanten wie die Neuapostolen sind da wenigstens kohärenter…

    “Die apostolische Sukzession beinhaltet schon etwas mehr als die bloße Handauflegung. Denn diesen Akt kann auch die Kirche nicht zu hundert Prozent bis zu den Aposteln nachweisen. Ich gehe mal davon aus, dass es so ist trotzdem bleibt es auch ein Akt des Glaubens”

    Natürlich können die meisten katholischen Bischöfe ihre Sukzession nur bis Kardinal Rebiba im 16. Jh. (siehe http://www.catholic-hierarchy.org) zurückführen, doch ist ja auch gesichert, dass Rebiba auch von jemandem geweiht wurde, usw. usw. Es geht ja auch nicht darum, dass jeder Bischof eine Sukzessionsliste haben muss, die bis Paulus, Petrus oder sonst einen Apostel zurückgeht. Sondern darum, dass man immer weiß, dass das Konzept “gültiger Bischof ist nur der, dem (mindestens) ein gültiger Bischof mit Handauflegung geweiht hat” bis auf die Apostel zurückgeht und seitdem auch praktiziert wurde (siehe 1 Tim).

  16. [depone] wrote:

    “Protestanten = keine Kirche = keine wahren Christen!”

    Auch wenn eine solche Gleichung auf Grund der aktuellen Verlautbarung möglich erscheinen könnte, so ist er meiner Ansicht nach nicht mit der Lehrmeinung der RKK in Einklang zu bringen. Wenn ich Paragraph 3 der Unitatis Redintegratio recht verstehe, dann wir hier gerade die Annahme betont, dass es sich auch bei Nachfolgern aus anderen Kirchen um Christen handelt:

    »Nichtsdestoweniger sind sie durch den Glauben in der Taufe gerechtfertigt und Christus eingegliedert, darum gebührt ihnen der Ehrenname des Christen, und mit Recht werden sie von den Söhnen der katholischen Kirche als Brüder im Herrn anerkannt.«
    [Unitatis Redintegratio, Paragraph 3.]

  17. Bee wrote:

    Es geht nicht darum, was die Leute verstehen, die eh alle Konzilbeschlüsse auswendig können. Es geht um die Leute, die morgens mit mir im Stau auf der Autobahn stehen und vom Radio erzählt bekommen, dass in Rom der schlaue Typ mit der komischen Mütze sagt, dass die ev. Kirche keine Kirche ist. Ich habe das Gefühl, dass hier die Medien wieder ein nettes Feindbild aufbauen. JPII ist jahrelang nur als Gegner von Kondomen durch die Presse gegeistert. Alles andere kam einfach nicht vor.
    Frag mal deinen Barkeeper, was er von der Diskusion mitgeschnitten hat. Ich wette er wird eine ähnliche Gleichung aufstellen wie ich oben.

  18. Frank Mazny wrote:

    @str1977
    >Das ist ein Irrtum.

    Das wusste ich nicht. Danke für die Aufklärung.

    @Petra
    >und jetzt wollen sie’s doch wieder haben, nur weil’s gut klingt?

    Ich glaube da gehst du etwas hart mit ihnen ins Gericht. Genauso gut könnte man behaupten, die katholische Kirche lege soviel Wert auf die apostolische Sukzession, weil es so schön “old-school” ist. Ich glaube man hat sich in der hochkirchlichen Bewegung viel Gedanken um dieses Thema gemacht. Zudem dürften es Verfechter der Sukzession in protestantischen Reihen nicht immer leicht haben, denn es widerspricht ja ihrer orthodoxen Lehre.

    @Bee
    Ich denke du hast Recht und dazu kommt noch, dass einige Zeitungen wirklichen Bockmist geschrieben haben. Gestern habe ich irgendwo gelesen, dass die Kirche wieder die Messe auf Latein für alle eingeführt hat und plötzlich den Protestanten den Kirchenstatus aberkennt. Was daraus als Meinungsbild beim Normalbürger resultiert wage ich mir nicht vorzustellen…

  19. beisasse wrote:

    vielleicht denken die normalbürgerinnen ja sowas: “ach ich hab so nette katholische freunde. dass die was mit dem alten mann mit den roten pradaschuhen was am hut haben, der bestimmen kann, was wahr ist, kann ich gar nicht verstehen.” :-)

  20. Frank Mazny wrote:

    @beisasse
    Möglicherweise liegst du richtig. Die Ironie ist ja dass der Papst das überhaupt nicht bestimmen kann. Würde B16 nächsten Dienstag verkünden, dass protestantische Gemeinschaften doch echte Kirchen sind wäre er kein Papst mehr.

  21. Petra wrote:

    @Frank:
    Vermutlich hast Du Recht. Die hochkirchliche Bewegung bei Anglikanern und Lutheranern ist ja m. W. – wie soll man sagen… – “nach oben offen”. Ich habe sogar mal von lutherischen Kirchen in den USA gelesen, die echt einen Tabernakel hatten…

  22. Bee wrote:

    @ beisasse
    Naja, ich denke die Freikirchler halten sich bedeckt, weil sie eh nicht auf die Idee kämen zur Messe zu gehen. Sicher gibt es da große unterschiede, aber wer schon mal einem Chick-Traktat-Verteiler in die Arme gelaufen ist, der weiß, was ich meine. (siehe traktat 769 mit sehr schöner erklärung für IHS)Mir ist auch mehr als einmal von engagierten Freikirchlern erzählt worden, dass ich nicht wirklich getauft bin und man auf garkeinen Fall an einer Messe teilnehmen dürfe, weil Marienverehrung und Fürbitten für Verstorbene okkultistischer Firlefanz wäre.

  23. Frank Mazny wrote:

    @Petra
    >Ich habe sogar mal von lutherischen Kirchen in den USA gelesen, die echt einen Tabernakel hatten…

    Ich bin nicht ganz sicher aber ich glaube in Gemeinden der SELK kann man das auch finden. Die feiern allerdings auch noch die echte lutherische Messe. Online lese ich immer wieder gerne bei der Kommunität St. Michael rein.

    @Bee
    >Chick

    Nichts gegen den guten Herrn Chick. Ich sammle schließlich alle seine Werke ;)

    >okkultistischer Firlefanz

    Ich befürchte dass ich dir vor ein paar Jahren ähnlichen Unsinn erzählt hätte. Inzwischen könnte ich eine eigene Rubrik mit E-Mail die mich zur Bekehrung aufrufen eröffnen. Du glaubst nicht, was mir da für Leute schreiben…

  24. Bruno Schneckenburger wrote:

    Kennzeichen der Kirche nach der Confessio Augustana: Das Evangelium lauter verkündigen und die Sakramenente (Taufe und Abendmahl)recht verwalten. – So gesehen kann ich jede katholische Ortsgemeinde als Kirche ansehen, schwieirig wird es, wenn Menschen vom Abendmahl ausgeschlossen werden (mit welchen sophistischen Spielereien auch immer). Ich könnte aus diesem Grund auch den Vatikan als Kirche anerkennen, sobald er aufhört auszugrenzen und zu maßregeln. Denn das sind für mich Zeichen dafür dass weder das Evangelium lauter verkündigt wird, noch die Sakramente recht verwaltet werden. Und – so ist es doch – der Vatikan braucht die Ortskirchen (Zur Bodenhaftung) sonst bleibt er eine platonische Idee ohne Substanz, (da subsistiert dann auch nichts mehr).
    Kurz und krumm: Papa Razzi hat in seiner Regensburger Vorlesung das Richtige gesagt. Die Protestanten haben das “Europäische Denken” verlassen – Gott sei dank. Die katholische Dogmatik ist als Wolkenkuckucksheim zurückgeblieben. Wen juckts? Mich nicht.

  25. Bee wrote:

    Äh, was heißt hier eigentlich immer Ausschluss vom Abendmahl? Für mich stellt sich immer die Frage, warum wollen evangelische Christen an der Kommunion teinehmen? Wie in jedem Dackelzüchter-Club ist die Grundvoraussetzung Mitglied zu sein, dass man wenigstens das, was im Club getan wird, für richtig hält. Wenn man nun die Realpräsens für Quatsch hält, dass Messopfer für ungültig hält etc. macht der Empfang der Kommunion doch gar keinen Sinn. Warum will man also an etwas teinehmen, was für einen persönlich gar keinen Sinn ergibt? Das hat eben Nichts mit Wolkenkuckucksheim zutun, das ist eine sehr auf das hier und jetzt bezogene Glaubensentscheidung. Was auch, wie jede Entscheidung, bedeutet, ich eine Sache für richtig halte und damit die anderen Möglichkeiten verwerfe. Oder?

  26. str1977 wrote:

    Bruno,

    es tut mir leid, aber Dein Posting ist bezeichnend für eine Art “Ökumene” zu treiben.

    Da werden Kritieren aus einem Dokument der einen “Glaubenspartei” gleich für allgemeinverbindlich erklärt (was z.B. Dominus Iesus niemals wagen würde).

    Da wird vergessen, das gleiche Dokument auch wirklich an eigenen Zuständen anzulegen: es gibt leider viele Orte in der EKD, tw. ganze Landeskirchen, wo das Evangelium eben nicht lauter verkündigt wird. Und über die Sakramente geht ja grade der Streit.

    Da wird vergessen, das die Confessio Augustana völlig ohne Belang ist. Ein von Luther nie getragene PR-Schrift des Herrn Melanchthon, die von niemanden wirklich angenommen wurde.

    “So gesehen kann ich jede katholische Ortsgemeinde als Kirche ansehen, schwieirig wird es, wenn Menschen vom Abendmahl ausgeschlossen werden”

    Da wird so getan, als ob man protestantischerseits immer schon die Katholiken anerkannt hat. Als hätte man ihnen nicht jahrhundetelang tatsächlich das Christ-sein abgesprochen. Als hätte man nicht das Feiern der Messe verboten.

    Legitime theologische Bedenken werden als ” sophistische Spielereien” abgetan, natürlich nur auf der anderen Seite – man selbst vertritt ja das lauter Evangelium (mal ganz abgesehen davon, daß Luthers “sola” da nicht vorkommen).

    Ökumene heißt hier: die Katholen sollen gefälligst protestantisch werden und protestantisch denken.

    Danke, aber nein Danke.

  27. Bruno wrote:

    str1977,

    ich nehme die “Rüge” an!
    Ökumene ist dann aber nur noch möglich, wenn man dem Beispiel Abrahams und Lots folgt: “Wir sind doch Brüder – lasst uns auseinandergehen. Gehst du zur rechten, gehe ich zur linken.” Aber das ist ja auch nicht möglich – es sein denn (man verzeihe mir dies böse Wort) man praktiziert konfessionelle Säuberungen.
    Eine saubere Dogmatik (reine Hände) behält man eben nicht in dieser Welt.
    What to do?

  28. str1977 wrote:

    Bruno,

    keineswegs ist das so.

    Wir können uns als Christen dessen freuen, was wir gemeinsam haben.

    Wir können den anderen respektieren mit seinen Eigenheiten, ohne uns diese zu Eigen zu machen und ohne sie dem anderen abzusprechen.

    Wir können sogar – cum caritate – versuchen, den anderen von seinem (tatsächlichen oder vermeintlichen) Irrtum abzubringen. Aber das sollte bitte offen geschehen und nicht durch die Hintertüre solcher Hochwert-/Nullwertbegriffe wie “eucharistische Gastfreundschaft”.

    Eine saubere Dogmatik ist immer nötig … eine unsaubere Dogmatik hat noch nie etwas genutzt, noch nicht einmal Frieden gebracht (man schaue sich die Versuche Kaiser Konstantins an, auch die Arianer wieder zurpck zu führen).

    Die Frage ist:
    Wollen wir die Einheit? Ich sage ja!
    Wollen wir sie um jeden Preis, selbst um den Preis der Wahrheit? Da sage ich nein!

    Die Einheit kann sowieso nur der Heilige Geist wirken.