Rumäne verklagt Gott wegen Betrug
Ein Rumäne der der eine 20-jährige Haftstrafe wegen Mordes absitzt, hat gegen Gott “wohnhaft im Himmel und in Rumänien vertreten durch die orthodoxe Kirche” eine Klage wegen “Betrugs, Vertrauensbruchs und Korruption” eingereicht. Während seiner Taufe sei er mit dem Beschuldigten einen Vertrag eingegangen, der ihn vor dem Bösen beschützen sollte. Gott habe diesen Vertrag aber nicht eingehalten, obwohl er von ihm “verschiedene Güter und zahlreiche Gebete” erhalten habe. Ob der gute Herr Pavel verrückt ist vermag ich nicht zu sagen, fest steht dass sein Fall ein eindrucksvolles Beispiel für ein seltsames und weit verbreitetes Gottesbild ist: man schmeißt vorne in die Gottesmaschine ein Gebet rein und hinten kommt die Erfüllung desselben heraus. Funktioniert das nicht so ist Gott ein mieser Spielverderber (in manchen Denominationen fehlt auch bloß die geistliche Salbung, aber das ist eine andere Geschichte). Demnach sollte ich Gott ebenfalls verklagen, weil ich trotz Gebet und ausgefüllter Scheine immer noch nicht beim Lotto gewonnen habe.
FingO wrote:
Na ja, er wirft aber schon eine gute Frage auf, die, man verzeihe mir demütigen Pimpf, auch manchmal unter den Fingernägeln brennt: Wie ein Vater seinem Kind keinen Stein statt Brot gibt etc. pp. sind ja nicht Worte, die Jesus in den Mund gelegt wurden. Und als meine Mutter starb, habe ich mich wirklich gefragt, was das Gebet bringt. Ja, und auch, als man mir sagte, daß es ja auch darauf ankomme, worum man bitte – na ja, wenn es denn so ist, daß man ohnehin “nur” das bekommt, was Gott einem ohnehin geben will, dann bauchen wir auch nicht darum zu bitten, mal streng gesagt. “Wenn der Herrgott nicht will, nützt alles gar nichts…”
Ich sehe das jetzt nicht mehr so streng, aber eine hundertprozentig befriedigende Antwort hat man mir noch nicht geben können. Was hilft da? Vertrauen.
Was jedoch den Herrn Muränen, ähhh, Rumänen betrifft, ist nun einmal erstmal die Sache, daß zum Gebet auch das Tun dazugehört. Daß also, wenn man um Erlösung vom Bösen bittet, man auch selber dementsprechend leben sollte. Daß man also, wenn man schon in einem Nachtclub arbeitet, vllt. lieber als Türsteher arbeitet, damit man die kesse Stripperin nicht bei der Arbeit sieht ;)
Und das zweite, was mich ja brennend interessiert: Was für ein Strafmaß wird denn beantragt? Fünf Jahre Knast?
Posted 13 Jul 2007 at 3:10 am ¶
beisasse wrote:
och, der hiob hat sich aber auch ganz schön beschwert. und in seiner geschichte ist das ja wirklich so, dass er nichts verschuldet hat. – und was war der auslöser für das ganze elend? gott und sein widersacher wollen mal “testen” (!), wie treu menschen sein können. und wie endet das hiobbuch dann? gottes antwort auf die (berechtigten!) klagen hiobs ist doch bloss nur: “du hast mir gar nichts zu sagen!” – ob dieser prozess mal neu aufgerollt werden könnte?
Posted 13 Jul 2007 at 8:24 am ¶
Petra wrote:
@FingO:
Es stimmt schon, dass Gott uns nur das gibt, was Er uns geben will – aber Er will eben auch, dass wir darum bitten. Er lässt uns ja unseren freien Willen. Und darum ist das Gebet wichtig.
Ich denke übrigens auch an die Privatoffenbarung der Hl. Katharina Labouré: sie sah zwischen den Fingern der Muttergottes Steinchen; aus einigen gingen Strahlen aus, aus anderen nicht. Die Muttergottes erklärte ihr, dass die nicht strahlenden Steinchen jene Gnaden waren, die Gott bereitgestellt hatte, aber um die niemand bat… Das Gebet hat also sehr wohl eine große Macht!
Vor allem aber heißt Gebet ja nicht bloß: “ich verlange – Du gibst”, sondern ist vor allem eine Öffnung unserer Herzen gegenüber Gott. Daher empfangen wir auch große Gnaden durch das Beten, selbst wenn wir nicht ausdrücklich um etwas bitten.
@Beisasse:
Die Fortsetzung zur Geschichte Hiobs ist schon längst geschrieben: das Neue Testament. Gott wollte Hiob bloß die Pointe mit der Menschwerdung und dem Kreuz nicht verraten…
Posted 13 Jul 2007 at 10:06 am ¶
Frank Mazny wrote:
@Petra
>Die Muttergottes erklärte ihr, dass die nicht strahlenden Steinchen jene Gnaden waren, die Gott bereitgestellt hatte, aber um die niemand bat
Mag alles sein aber ich kann Phil schon verstehen, weil es mir manchmal ähnlich geht. Zur Zeit überlasse ich die Gnaden auch gerne den anderen, mir würde am besten der Lottogewinn helfen. Danach kommt der Rest schon von selbst :)
Posted 13 Jul 2007 at 10:39 am ¶
beisasse wrote:
gottes antwort für hiob ist also, nur um das mal klar auszusprechen: “kann dir leider nicht helfen. bin selbst unschuldig opfer geworden.”
Posted 13 Jul 2007 at 11:40 am ¶
FingO wrote:
Petra, ich habe das ja auch nur überspitzt formuliert. Es ist nunmal so, daß ich noch weit entfernt vom heiligen Menschen bin. Dementsprechend sind mir schon die geistlichen Güter zwar objektiv wichtiger als der ganze Rest – auch wenn ich hier nicht grad viel neues feststellen kann. Subjektiv sehne ich mich aber schon danach, aß mein Vater endlich finanziell aus dem Knick kommt, daß ich mal in einen gewissen Hafen einlaufe, daß das Leben manchmal nicht dne Charakter einer Platte mit nem Sprung hat.
In der Hinsicht geht es mir mit dem Gebet so, wie Du das Hauptanliegen des Gebetes umschreibst. Das Gebet ist für mich in den Stürmen des Lebens ein Kompass, der mich dem Ziel näher bringt.
Es geht mir auch eher darum, daß es manchmal Christen recht leicht fällt, über Leute wie diesen Rumänen zu spotten – der muß halt auf Gott vertrauen! – man aber dabei vergißt, daß das Leben wirklich seine Ecken und Kanten hat. Seine gefährlichen Klippen, von denen man stürzen kann. Und daß eben manchmal man wirklich erstaunt ist, wie viel kacke laufen kann, und man dann gerade in diesem Moment von einem Freund mitbekommt, wie gut bei ihm alles läuft. Da fragt man sich schon… und da merkt man, was man für ein kleiner Mensch ist, der Gottes Hilfe braucht. Denn auch die Katechismus-antworten helfen einem nicht weiter – vor allem nicht “Wen Gott liebt, den züchtigt er”.
Posted 13 Jul 2007 at 3:12 pm ¶
Petra wrote:
@Frank und Phil:
Ich bete für Euch. Für das Geld, für den Hafen und überhaupt. Und auch für die Gnaden, ob Du sie willst, Frank, oder nicht… ;-)
@Beisasse:
Öööö... Kennst Du überhaupt die Grundinhalte des Christentums? So Sachen wie Erlösung und Auferstehung und so…? Und meinst Du echt, der Kreuzestod Christi hätte uns nicht “geholfen”???
Ich habe übrigens vor 100 Jahren mal was genau über dieses Thema gepostet:
http://lumendelumine.blogspot.com/2005/08/theodizee-von-unten.html
Posted 13 Jul 2007 at 4:04 pm ¶
Bee wrote:
Mir hat mal jemand gesagt, dass Leben das ist, was passiert, während ich damit beschäftigt bin was anderes zu planen. Und wenn ich mir meine letzten beiden GAU´S angucke, waren die perfekt geplant und zwar von mir. Man plant, überlegt, rechnet wie, was alles wie klappen könnte und was nicht. Dann entscheidet man sich nach bestem Wissen und Gewissen. Nur ist die Welt leider etwas komplexer und irgendwas,was man nicht bedacht hat, steht plötlich im Raum. Erschreckend ist bei dem ganzen, dass die größte nichtberücksichtigte Unbekannte in der Rechnung eigentlich immer ich war. Und wenn dann das Konstrukt erstmal kippt, erlebt man oft einen ewig langen Domino-Day. Da hilft einem auch nicht, dass man weiß, dass Gott jeden neuen Tag die Sonne aufgehen lässt und alles reine Gnade ist. Eine Sache nach der anderen geht in die Hose, die eingebauten Puffer lösen sich in Nichts auf und alle Stricke reißen. Da kann man schon mal denken, dass das nicht richtig sein kann. Kaum hat man grade einen Schlag verpackt, trifft einen das nächste Unheil mit der Präzision eins M16. Dabei sind es halt hinterher nicht die großen Fehler, die einen fast das Genick brechen. Es sind die Anhäufungen von Kleinigkeiten, ein Parkknöllchen, die zugeschlagene Tür, die Bahn, die man nicht mehr erwischt… Da kann schonmal der Gedanke hartnäckig raumgreifen, dass wenn den der Herr mein Hirte ist, er sich doch ein bisschen mehr Mühe geben könnte und was besser auf mich hätte aufpassen können. Klar ist man hinterher immer reicher an Erfahrung, aber das gleicht einem nicht das Girokonto aus.
Mir stellt sich die Frage wie das die anderen Leute nur aushalten, die nicht abends die Tür hinter sich zu machen können und jemanden haben, den sie anblöcken können.
Posted 14 Jul 2007 at 9:47 am ¶
Frank Mazny wrote:
@Petra
>Und auch für die Gnaden
Es ist nicht so, dass ich sie nicht will, das wäre ja sehr blödsinnig. Mir geht es nur so, dass solche Dinge manchmal sehr abstrakt erscheinen, besonders dann wenn mich die materielle Welt hart dran nimmt. Ich bewundere die Menschen, die trotz schlimmerer Probleme in dieser Hinsicht dranbleiben.
Posted 15 Jul 2007 at 10:55 pm ¶