Sommerloch für Kreationisten
Als ich vorhin meinen Posteingang öffnete, hatte ich fünfmal dieselbe E-Mail von verschiedenen Absendern bekommen. Darin wurde zur dringenden Abstimmung bei einer Umfrage der Tagesschau aufgerufen. Grund war die Idee der hessischen Kultusministerin Wolff zu einem “modernen” Biologieunterricht, in dem auch die biblische Schöpfungsgeschichte thematisiert werden soll. Dabei ist das Sommerloch doch in diesem Jahr dank Schäuble, Pauli und Vattenfall nicht so tief wie sonst, als das man nun schon den Kreationismus bemühen müsste. Viele unserer evangelikalen Schwestern und Brüder scheinen jedenfall dem Aufruf Teilnahme an der Umfrage gefolgt zu sein, sonst wären nicht über 50 Prozent der Stimmen für die unselige Vermischung von Wissenschaft und Religion. Wäre ich Hesse und Elternteil eines schulpflichtigen Kindes, wüsste ich genau was ich Frau Wolff schreiben würde. So warte ich einfach das Ende des Sommerlochs ab, das in der Regel kurz nach der Sichtung von Nessie kommt.
Thomas wrote:
Zumindest kannst du dich geehrt fühlen, dass du gleich für fünf Leute als ein wichtiger Multiplikator giltst. Und immerhin hast du ja schon auf die Umfrage hingewiesen. ;-)
Posted 18 Jul 2007 at 4:57 pm ¶
Tino wrote:
Heyho,
ich hab die Mail auch bekommen.
Bin dem Aufruf abzustimmen sogar gefolgt.
Aber ich glaub nicht dass ich für die erwartete Antwort gestimmt hab ;-)
Posted 18 Jul 2007 at 6:27 pm ¶
Frank Mazny wrote:
@Thomas
Ach das bedeutet nichts. Du glaubst nicht von wem ich nicht alles E-Mails bekomme. Von strammen Evangelikalen bis hin zu katholischen Traditionalisten ist da alles vertreten.
@Tino
Abgestimmt habe ich auch, natürlich mit einem Nein. Inzwischen scheinen die Kreationisten aber die Überhand gewonnen zu haben. Zum Glück haben diese Online-Abstimmungen keinen Wert.
Posted 18 Jul 2007 at 8:47 pm ¶
Christian wrote:
Ich weiß gar nicht was du … ihr habt. Es geht denen ja noch nicht mal um ein (wenns das überhaupt gibt) evangelikales Verständnis der Schöpfung.
Ich finds nur einfach ignorant, egal in welchem Bereich, wenn man nur eine Theorie einer Sache vorstellt, wenn es mehrere gut zu begründende gibt.
Auch, wenn ich die Evolutionstheorie für mich wie ein Schweizer Käse ist, würde ich sie nicht aus dem Unterricht verbannen wollen.
Es geht doch nicht darum was man hier selbst glaubt und toll findte. Es geht einfach um ein Stückchen mehr Objektivität …
Allerdings kann ich verstehen, wenn einem diese Massenmails (nach dem Motto “Das ist die Aktion mit der wir die Welt retten”) aufn Kecks gehn.
Posted 18 Jul 2007 at 8:57 pm ¶
Frank Mazny wrote:
@Christian
>Ich finds nur einfach ignorant, egal in welchem Bereich, wenn man nur eine Theorie einer Sache vorstellt
Dann sollte man aber nicht nur die biblische Schöpfungsgeschichte erwähnen, sondern auch gerechterweise die der australischen Ureinwohner, die der Hindus und die einiger alter afrikanischer Religionen.
>Es geht doch nicht darum was man hier selbst glaubt und toll finde.
Nein, es geht um Wissenschaft. Die biblische Schöpfungsgeschichte hat mit Wissenschaft nicht zu tun, dafür ist sie nie geschrieben worden. Insofern hat sie auch nichts im Biologie-Unterricht verloren.
Posted 18 Jul 2007 at 9:15 pm ¶
Tino wrote:
@christian:
der Frau Wolff geht es wohl tatsächlich nicht um ein evangelikales Verständnis der Schöpfung. Philosophische und theologische Überlegungen gehören ja sowieso schon zum Lehrplan für den Biologie-Unterricht dazu.
Aber diese Mails, die gerade rumgehen, bringen alle falschen alten Argumente gegen Evolution, von denen sich mittlerweile sogar “Wort und Wissen” distanziert. Die wollen, dass Schöpfungslehre die Evolutionstheorie ablöst. Da es aber schlicht keine wissenschaftliche “Schöpfungslehre” gibt, halte ich das für Blödsinn.
Und gegen dieses Verständnis setze ich ein dickes “Nein”.
Posted 18 Jul 2007 at 9:49 pm ¶
francis wrote:
ich bin fast ein bisschen beleidigt, dass ich diese kettenmail nicht bekommen hab.
Posted 19 Jul 2007 at 12:48 am ¶
Tino wrote:
@francis
hast du doch :
* ;)Posted 19 Jul 2007 at 5:51 pm ¶
markus wrote:
nun es mag ein denkfehler sein, zu glauben die schöpfung sei empirisch und wissenschaftlich zu belegen – in dem sinn gehört sie sicher nicht in den biounterricht, genauso wenig, wie man in physik die “ich bin das licht der welt”-aussagen behandelt.
es ist aber genaus wenig richtig, der physik das recht zu geben, jesus abzusprechen, dass er das licht der welt sei. in dem sinne, übernimmt sich die evolutionstheorie (bzw. deren anhänger) gewaltig. wissenschaft soll herausfinden, wie dinge funktionieren “als ob gott nicht wäre”, sie dürfen nicht beweisen wollen, dass es ihn gibt. genauso wenig dürfen sie beweisen wollen, dass es ihn nicht gibt.
Posted 20 Jul 2007 at 8:33 pm ¶
Christoph Rhein wrote:
Hallo Leute,
viele in dieser Diskussion vermischen Grund und Ursache. Für uns Christen ist GOTT der Grund allen Daseins, für den Naturwissenschaftler geht die Suche nach der Ursache weiter. Diese gleicht in der Mathematik einer Asymptote, man kommt sehr nahe heran und erreicht es nie, weil der letztgültige Beweis durch das Experiment (Schaffung, Produktion eines neuen Kosmos) ja nicht möglich ist. (Auch wenn es Science-Fiction Autoren suggerieren mögen, es bleibt Fiction).
Zudem besteht in der Naturwissenschaft ja das Problem “Was ist Wissen”. Ist es ein neurobiologischer Zustand in einem Gehirn oser existiert es auch außerhalb des Gehirnes. (Geist-Hirn-Problematik). Hier befindet sich die Naturwissenschaft in einem (auch von ihr selbst zugegegebenen) Teufelskreis.
Diese können Gott nicht widerlegen, die Christen ihn nicht naturwissenschaftlich beweisen. Wir können aber annehmen, daß Gott indem ER der Welt Ziel und Sinn gibt, die Welt hat entstehen lassen und zu allem was ist, was uns begegnet sein “Sei” zuspricht. So kann die Evolution ja auch Teil eines (für uns Christen und Juden – siehe Hijob – unerklärbaren) Planes sein (theistic design – statt intelligent design), dessen Sinn uns erst erschlossen wird, wenn wir bei IHM sind.
Ich denke beide radikalen Positionen (Kreationismus und naturwissenschaftlicher Positivismus) haben nicht recht.
Gott will nicht, daß wir uns der Wirklichkeit entziehen und die Erkenntnisse der Naturwissenschaft einfach ignorieren, Gott will, daß wir in den Gesetzmäßigkeiten der Natur SEINE Allmacht finden. Das wichtigste aber ist, daß wir, die wir an Gott glauben, IHN in seiner Liebe entdecken und diese Liebe, auch wenn es unvernünftig erscheint, den Menschen zeigen.
Da kann uns kein Naturwissenschaftler daran hindern.
In den Biologieunterricht und das Fach Physik gehört das vielleicht in den Bereich Wissenschaftsgeschichte, so wie in jedem Fachbereich die jeweilige Wissenschaftsgeschichte historisch-kritisch behandelt werden muß.
Nein vielmehr gehört diese Auseinandersetzung in das Leben der Kirchengemeinden, damit von dort aus das Gespräch zwischen Glaube und Naturwissenschaft fruchtbar wird.
Ich denke, angesichts der Krise (Klimaveränderung, allgemeine Angst der Menschen, soziale Spannungen, Kriege und Terrorismus) sollten wir die gemeinsame Verantwortung übernehmen, und da erdet uns GOTT durch die Liebe.
Posted 23 Jul 2007 at 2:28 pm ¶